Call of Duty: Modern Warfare II – Wird es zu „noobfreundlich“?

Nach den Beta-Wochenenden gibt es viel Lob aber auch viel Kritik für Modern Warfare 2. Ist das Spiel zu „noobfreundlich“?

Alle Jahre wieder spaltet ein neuer Ableger des Call of Duty Franchises die Community. Änderungen werden auf der einen Seite nicht gern gesehen, aber auf der anderen Seite wird ein Spiel als langweilig angesehen, wenn es keine Neuerungen beinhaltet. Also ist ein neuer Release auch immer ein Spagat der Entwickler.

Ende diesen Monats wird Modern Warfare 2 nun endlich veröffentlicht und viele Spieler blicken mit grummeligem Magen auf den Start. Wir haben einmal ein paar Punkte zusammengefasst.

Gruppen innerhalb von Call of Duty

Call of Duty hat sich den Ruf als Arcade-Shooter erarbeitet und damit auch viele Spieler angezogen. In der Community gibt es deshalb verschiedene Untergruppierungen. Pro-Gamer versuchen in jedem Spiel das letzte Quäntchen Skill aus ihrem Gameplay zu holen. Meist sind es Influencer oder Streamer, die mit Nukes versuchen „krasses“ Gameplay zu erspielen. Am anderen Ende der Nahrungskette sind dann die „Noobs“ – also Neulinge, welche die Spielereihe zum ersten Mal spielen und nicht viel Erfahrung haben. Dazwischen gibt es dann die sogenannten Casuals. Das sind die, die das Spiel zum Spaß spielen und eben durchschnittlich gut oder schlecht sind. Das ist die absolute Mehrheit.

Realismus vs. Run & Gun

Seit Ewigkeiten ist Call of Duty ein Run & Gun Shooter. Schnelles Movement, gutes Zielen, Map-Knowledge und schneller sein als der Gegner. Das waren einmal die Merkmale des Shooters. Auch zur besten Zeit gab haufenweise Camper, aber niemals hatten diese es so leicht Kills zu machen, wie jetzt. Nach wie vor kann man sich natürlich fragen, wie ein Arcade-Shooter überhaupt e-Sports erreichen konnte und warum sich so viele Spieler einen abschwitzen. Aber es ist, wie es ist.

Activision Blizzard hat 2019 bei der Vorstellung des Reboots von Modern Warfare erklärt, dass sie einen realistischeren Shooter bringen wollen. Genauso verhält es sich mit Modern Warfare II. Alles soll taktischer, realistischer und besser sein. Doch hier bezieht sich die Kritik darauf, dass dahinter nur ein verschleierter „Noobschutz“ steckt. So soll das Ganze verhindern, dass die „Noobstomper“ öffentliche Lobbys zerstören und sich verhalten, wie ein Fuchs im Hühnerstall. Die Spieler sollen bedachter spielen. An sich ist die Idee nicht schlecht, jedoch wird das mit Modern Warfare II ins Extreme getrieben.

SBMM

Ja, auch das leidige Thema mit Skill-Based-Matchmaking ist wieder aktueller den je. SBMM wird auch in Modern Warfare enthalten sein und das ist ein Dorn im Auge der Spielerschaft. Seit Modern Warfare 2019 wird sich darüber beschwert und dennoch scheint Activision nicht vorzuhaben, daran etwas zu ändern. Auf dem Papier sieht SBMM gut aus, denn man versucht zu verhindern, dass Spieler in keine Lobby kommen in denen sie von Profis niedergemetzelt werden. In der Realität verlieren viele Spieler das Gefühl, sich in irgendeinerweise zu verbessern. Laut den Spielern ist jede Runde gleich und das nimmt den Spaß raus. Zu dem Thema schweigt Infinity Ward jedoch.

Die Minimap

Auch die Kritik an der Minimap ist nichts Neues. So wurden seit MW 2019 immer wieder Funktionen der ursprünglichen Minimap herausgenommen. Jetzt ist es so, dass es keine roten Punkte mehr auf der Minimap geben wird es sei denn, eine Drohne ist online. Wenn ein Gegner schießt, wird dies nicht mehr angezeigt. Das macht das Nutzen von Schalldämpfern nutzlos. Früher konnte man sich entscheiden, ob man lieber nicht auf der Minimap gesehen werden wollte und durch den Schalldämpfer eine etwas schwächere Waffe haben wollte oder ob es einem egal ist, man aber dafür eine stärkere Waffe hat.

Das Statement von Infinity Ward dazu ist, gelinde gesagt, unverständlich. So wollen sie nicht, dass Spieler dafür bestraft werden, wenn sie ihre Waffe abfeuern. Und man solle aktiv nach Gegnern suchen.

Totenstille

Totenstille wurde massiv generft, während die Steps extrem laut und deutlich lokalisierbar wurden. Es ist jetzt nicht wie ursprünglich ein Perk, dass man dauerhaft hatte, sondern eine Feldausrüstung. Das heißt, man muss sich die Fähigkeit für wenige Sekunden lang leise über die Map zu huschen erarbeiten und dann lange warten, bis es wieder einsetzbar ist. Um das Ganze noch schlimmer zu machen, dauert die Aktivierung selbst (fast wie alles andere im Spiel) extrem lang und es piepst so laut, dass Gegner in 20 Metern Entfernung ganz genau hören können, wo man ist. Allein diese Änderung lässt viele Spieler wütend zurück, denn tatsächlich wird es damit den Rushern sowie normalen Spielern unnötig schwer gemacht, während sich die Camper freudig ins Zeltchen lachen. Am Ende wird es durch diesen Aspekt deutlich mehr „Sentinels“ geben.

Infinity Ward’s Antwort darauf war, dass es „wichtig für die Gesundheit des Spiels sei, dass Rusher sich nicht schnell über die Map bewegen können dürfen, ohne Konsequenzen dafür zu spüren“.

Wechselnde Lobbys nach jeder Runde

Ja, auch hier kommen wir neben SBMM und den ganzen anderen Änderungen zu einer Erneuerung, nach der niemand gefragt hat. Nach jeder Runde werden die Lobbys aufgelöst und neu gesucht. Das heißt, kein Map-Voting, keine beständige Lobby und erhöhte Wartezeiten. Denn jedesmal wird euer Bracket neu zusammengestellt, damit Ihr mit Spielern mit etwa dem gleichen Skilllevel spielen müsst. Kurz gesagt, muss es wechselnde beziehungsweise „sich auflösende“ Lobbys geben, sonst würde SBMM nicht mehr funktionieren. Und wer will das schon, oder? Dadurch spielt man gefühlt auch nur 30% der Karten, weil die Spieler sich nicht frei entscheiden dürfen, welche Karte als nächstes kommt. Fraglich ist, ob sich das je ändern wird.

Time To Kill

Wie auch in Modern Warfare 2019 ist die Time To Kill sehr niedrig. Böse Stimmen behaupten, dass Infinity Ward diese nur so niedrig gemacht hat, damit auch ein unfähiger Spieler sicher seinen Kill bekommt. Da ist auch etwas wahres dran, denn selbst durch den starken Rückstoß landet man beim Veraimen einen Kill, da der Kopfschussschaden auch sehr hoch ist. So wurden viele in der Beta durch „Lucky-Shots“ getötet. Wenn man jetzt noch verschiedene Munitionen hinzunimmt, dann spielen wir bald Hardcore in Core. Jeder bekommt mehr Kills, aber auch gleichzeitig mehr Tode.

Der Youtuber und Streamer Kugelmagnet Eddie hat hier sehr gut erklärt, warum die TTK zwar gleich wie in anderen CoD’s ist, man aber trotzdem schneller umfällt.

Sprint to Fire Time

Wie eingangs schon erwähnt, ist alles an Modern Warfare verlangsamt. Das Movement, das Aktivieren von Streaks und Ausrüstung, Werfen von Granaten und auch der Wechsel vom Sprint in den Schussmodus. Die Community ist auch hier der Meinung, dass dies den Rushern schaden soll, während es den Campern einen Vorteil verschafft, da diese eh meist „Pre-Aimen“.

Die Namen der Gegner

Seltsamerweise haben wir in jedem Call of Duty anfänglich dasselbe Problem: Man sieht Gegner nicht gut. Zum einen sieht man Gegner generell kaum, wenn sie mit dem Hintergrund verschmelzen, zum anderen wird es euch auch während des Schusswechsels sehr schwer gemacht. Es raucht, qualmt und vibriert wie verrückt. Man sieht nicht, wohin man schießt. Und dann kommt noch das Problem, welches wir schon in MW 2019 und Vanguard hatten: Ein Gegner steht vor Euch, aber über ihm prangt der Name eures Teammates, da dieser durch die Wand sichtbar ist – aber der Name des Gegners ist nicht da. Wohingegen euch der Gegner sehr gut sehen kann.

Spawn System

Auch ein wiederkehrendes und sehr nerviges Problem sind die Spawnpunkte. Während man früher durch Checken der Minimap sehen konnte, wo die Gegner gerade vermehrt sind und damit deren Spawn ausmachen konnte, ist es in Modern Warfare 2 komplett zufällig. Gerade wenn man Herrschaft spielt und Punkt „A“ und „B“ beherrscht, sollte der Feind nur um „C“ spawnen. Tut er aber nicht. Jetzt kann es sein, dass er direkt neben euch bei eurem Punkt spawnt und euch von hinten wegmetzelt. So fühlt man sich nie sicher.

Slide Canceling

Ein Punkt, der jetzt mehr oder weniger mit „noobfreundlich“ zu tun hat, ist das Herausnehmen von Slide-Canceling. Genauso wie Bunny-Hopping ist das etwas, was die selbst ernannte Elite für sich beansprucht und mit „gutes Movement“ betitelt. Was aber alle Spieler nerven dürfte, ist, dass man das Rutschen nicht abbrechen kann, um einem plötzlich auftauchenden Feind die Stirn zu bieten. Was wiederum dazu führt, dass viele sich lieber stationär einrichten statt etwas zügiger über die Map zu rennen.

An dieser Stelle möchten wir auf das Video von Der Exorzist verweisen. Darin beschreibt er ganz gut, warum das Ganze dem Spiel schadet.

Fazit

Unsere Redaktion ist streng gegen das Bashen von Noobs und das abschätzige Gerede von „Familienvätern“ und „Rentnern“. Klar, denn unser Team besteht nunmal aus Menschen jeden Alters – genauso wie die Spielerschaft um Call of Duty. Jeder von uns war mal Neuling und hat in MW1 oder MW2 stattlich auf die Rübe bekommen. Und jeder wird einmal älter sein und seinen Spielstil anpassen, hat aber im Gegenzug eine gut gefüllte Trickkiste und einen Haufen Erfahrung.

Was die „noobfreundlichkeit“ angeht, müssen wir aber dennoch festhalten, dass Modern Warfare II deutlich in die falsche Richtung geht. Alles in diesem Artikel genannte zielt darauf ab, stationäres Spielen zu „belohnen“, während Run & Gun fast schon bestraft wird.

Das heißt nicht, dass das Spiel keinen Spaß machen würde – denn fast jeder, der die Beta gespielt hat, hatte Spaß daran – auch wenn die Mechaniken Camperfreundlich sind. Wie es aber auf Dauer aussieht, können wir erst sagen, sobald Modern Warfare II veröffentlicht wird und ein paar Monate ins Land gezogen sind.

Was haltet Ihr davon? Seid ihr der Meinung, dass Call of Duty zu „noobfreundlich“ geworden ist? Schreibt es uns in die Kommentare!

Quelle: Infinity Ward Blog